Wort zum Sonntag Palmarum, 05.04.20

„Mit der Arbeit der Regierung sind so viele Menschen zufrieden wie schon lange nicht mehr“, melden die Nachrichten und auch mit den aktuellen Einschränkungen der persönlichen Freiheit wegen des Corona-Virus sind die meisten einverstanden.
Wie schnell sich aber „das gesunde Volksempfinden“ ändern kann und welch dramatische Folgen das hat, ist an der Leidensgeschichte Jesu abzulesen.
Im Evangelium des Palmsonntags jubeln Jesus die Massen zu und begrüßen ihm bei seinem Einzug in Jerusalem als den lange erwarteten, messianischen König. Hosianna, gelobt sei der da kommt! So rufen sie und breiten Palmwedel und ihre Kleider vor ihm auf den Weg aus.
Wir wissen, dass binnen weniger Tage aus dem Jubel der Ruf wird: Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!
Die Stimmung kann ganz schnell kippen, damals wie heute.

Wie gehen wir damit um? Welchen Einfluss auf unsere persönliche Meinung hat das Empfinden der Masse? Hat die Mehrheit immer recht?
So wichtig mir die Demokratie als Gesellschaftsform ist, so weiß ich doch auch darum, dass auch Hitler von der Mehrheit des deutschen Volkes legitim gewählt wurde, wie so mancher irre oder schräge Machthaber in diversen Staaten dieser Erde heute auch. Es ist eben falsch, wenn man behauptet: „Millionen Fliegen können nicht irren…!“

Mit Blick auf die am Palmsonntag beginnende Passion Jesu ist mir wichtig, auch die andere Perspektive zu beachten: Jesus genoss weder den Jubel beim Einzug, noch machten ihn die Kreuzige-Rufe des Pöbels in seinem Glauben irre.

Man muss Gott mehr gehorchen als dem Menschen, erklärt Petrus in Apostelgeschichte Kap. 15.
Im Vertrauen auf Gott ging Jesus seinen Weg, wissend, dass er schwer sein würde. Er rang lange mit dem Vater beim Gebet im Garten Gethsemane.
Er schrie am Kreuz Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?!
Die Worte aber zeigen, dass er letztlich doch an Gott festhielt. Auch wenn er ihn nicht verstand, so blieb es doch mein Gott.

Am Ende der mit Palmsonntag beginnenden Woche feiern wir Ostern.
Was immer die Menschen von und über Jesus sagten, hier wird deutlich, wer er ist: Gottes Sohn. Er wird vom Vater aus dem Tod zu neuem Leben erweckt, damit auch wir Hoffnung haben, dass dieses Leben hier nicht alles ist.

Zuversicht und neues Leben, das sei auch unsere Hoffnung.
Auch, wenn das jetzige Leiden der Allermeisten ganz anders ist als das Leiden Jesu, so dürfen auch wir darauf vertrauen: es geht vorbei!

Machen wir uns nicht abhängig von den täglich wechselnden Meinungsumfragen, den unterschiedlichsten Bewertungen der aktuellen Situation. Es ist egal, was man sagt oder man tut. Manchmal muss man eine schwierige Situation einfach aushalten, Geduld haben, vertrauen.

Karfreitage gehören auch zu unserem Leben dazu.
Genauso ist uns zugesagt, dass es für uns Ostern wird.
Neue Lebendigkeit und Lebensfreude nicht erst dereinst im Jenseits,
sondern schon hier in dieser Welt.
Weil Hoffnung uns beseelt.                                                    Amen

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