Andacht zum Sonntag Quasimodogeniti, 19.04.20

Liebe Gemeinde
Manchmal fühlt man sich von Gott verlassen.
Die aktuelle Situation ist bedrückend.
Ohnmächtig und hilflos muss man sie, ja alles ertragen – was sonst?!
Da passiert es dann schon auch,
dass man Gott angeht, ihn anruft, ja anklagt:
Was soll das? Wie kann das sein? Wie kannst du das zulassen!
Siehst du nicht?! Hörst du nicht?!
Weißt du nicht, wie es um uns steht?!
Man könnte meinen, ich spreche von uns in Corona-Zeiten,
aber es ist die Klage der Israeliten,
die nach verlorenem Krieg nach Babylon ins Exil verbannt wurden.
Der Predigttext heute ist die Antwort Gottes
auf ihre Ohnmacht, ihre Klagen, ihre Wut.
Und sie ist so ganz anders.
Hier wird nicht mit gleichen Maß zurückgeschlagen.
Seelsorgerlich, fürsorglich, ja väterlich antwortet Gott: Predigttext:
Hebt eure Augen in die Höhe und seht!
Wer hat dies geschaffen? —-
Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen;
seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst:
»Mein Weg ist dem HERRN verborgen,
und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«?

Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?
Der HERR, der ewige Gott,
der die Enden der Erde geschaffen hat,
wird nicht müde noch matt,
sein Verstand ist unausforschlich.
Er gibt dem Müden Kraft,
und Stärke genug dem Unvermögenden.
Männer werden müde und matt,
und Jünglinge straucheln und fallen;
aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft,
dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,
dass sie laufen und nicht matt werden,
dass sie wandeln und nicht müde werden.

Wahrscheinlich ist es Ihnen gegangen wie mir:
schon beim Lesen erklang in mir ein Lied aus Kindertagen:
Weißt du wie viel Sternlein stehen?
Fast wörtlich zu finden hier im Text.
Gott lenkt den Blick der Klagenden und Jammernden Leute weg von ihrer aktuellen Situation und Misere hin zu seiner wunderbaren Schöpfung.
Lasst den Kopf doch nicht hängen!
Steckt ihn vor allem nicht in den Sand.
Schaut auf!
Es gibt mehr und anderes als das, was ihr beklagt!
Und wie im Kinderlied macht Gott dem Hörer klar:
Du irrst dich, wenn du meinst, ich hätte keine Ahnung.
Du irrst dich, wenn du denkst, du wärst mir egal!
Sein Verstand ist unausforschlich, ok,
sein Ratschluss nicht immer direkt und einfach nachvollziehbar.
Die klagenden Anfragen dreht Gott nun um und fragt uns:
Weißt du nicht, hast du nicht gehört?
Habt ihr etwa vergessen, dass ich Schöpfer und Herr bin?
Kraft und Stärke sagt er zu,
wo Unvermögen und Ohnmacht gefühlt wird.
Starke Männer und kraftstrotzende Jünglinge
kommen mit ihrer Kraft früher oder später an ihre Grenzen.
Aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft,
dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,
dass sie laufen und nicht matt werden,
dass sie wandeln und nicht müde werden.

Wieder bin ich bei diesen Worten ganz schnell bei unserer Situation:
Beharrungsvermögen ist gefragt!
Wochenlang nun schon die Einschränkungen unserer Freiheit –
und nun noch 14 Tage mehr, mindestens!
Murrend, aber alternativlos nehmen wir es hin.
Bleiben zuhause, halten Abstand.
Harren der Dinge, die da kommen sollen.
„Harren“, liebe Gemeinde, ist aber auch ein altes Wort für „vertrauen“.
Die aber auf den Herren harren, die ihm vertrauen, kriegen neue Kraft!
Ich glaube, dass Gott mit Corona nichts zu tun hat,
also dieses Virus nicht als Plage oder Strafe schickte
um die Menschheit auf einen anderen, besseren Weg zu führen.
Ich bin mir aber sicher, dass das Vertrauen auf ihn
auch in dieser Zeit zu einer Kraftquelle werden kann.
Viele leiden unter Einsamkeit und Isolation.
Besuche von Kindern und Enkeln, Freunden und Nachbarn sind verboten.
Was ist da wichtiger als die göttliche Zusage: Ich weiß!
Oder, um wieder auf das Kinderlied zu kommen:
„Kennt auch dich – und hat dich lieb!“
Gott weiß nicht nur Bescheid,
es lässt ihn auch nicht kalt und unberührt.
Wir sind geliebte Kinder des himmlischen Vaters!
Geschwister Jesu Christi, Erben des neuen Lebens.
Ein Letztes:
ich hänge noch an dem Adler, dem Bild der Stärke hier im Text.
„Alle Vögel sind schon da“, aber ein Adler ist nicht dabei.
Gerade, weil er so anders und fremd ist,
gefällt mir dieses Gegenbild, dieses Hoffnungsbild.
Wer auf Gott vertraut ist nicht ein kleiner Spatz, keine gurrende Taube,
nein, ein Adler! Groß, stark, wild!
Und so soll auch unser Leben sein mit Gott an unserer Seite.
Wie es für die Israeliten ein Leben nach dem Exil gab,
so gibt es für uns ein Leben nach Corona!

Darauf muss ich harren,
darauf will ich vertrauen,
vor allem darf ich mich darauf freuen!

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