Die St.-Marien-Kirche

grundri_Weithin sichtbar erhebt sich der Turm der Hattstedter Kirche über das Marschland und den Deich. Auf einem Geestrücken nahe des Wattenmeeres erbaut, dient dieser Turm nun schon über 500 Jahre der Küstenschifffahrt als Seezeichen. Die weiß gestrichene Südseite leuchtet weit über das Land und dient noch heute den Motor- und Fischerbooten zur Orientierung.
Theodor Storm erwähnt die St. Marien-Kirche oft; er beschreibt den Friedhof und die Quadern des Turmes. In Garten des so genannten Kompastorates heiratete er 1866 seine zweite Frau Dorothea Jensen.
Nur fünf km nördlich von Husum bildet diese Kirche das sichtbare geistliche Zentrum des nordfriesischen Kirchspiels, das die Dörfer Wobbenbüll, Hattstedtermarsch,  Horstedt und Hattstedt bis zur Arlau hin umfasst.

Zur Geschichte:
Urkundlich wird die Hattstedter Kirche zum erstenmal 1240 erwähnt. Sie wurde Maria, der Mutter Jesu, geweiht und in drei Bauabschnitten erbaut. Die St. Marien-Kirche ist mit Mildstedt und Ostenfeld eine der ältesten (und größten) der Südergoesharde. Sie galt im Mittelalter als die stattlichste Kirche weit und breit; eine weitere Kirche nahe Ellerbüll in der Marsch – Wartinghusen – war 1362 bei der großen Mandrenke untergegangen.
Der Turmhelm wurde Ende des 15. Jahrhunderts von Thoms Detleffs aus Husum errichtet. Durch Blitz und Sturm oftmals beschädigt und neu erbaut (belegt für 1632, 1751, 1827, 1859 und 1878), musste der ursprünglich schindelgedeckte Helm 1976 ganz abgebrochen werden. Der Orkan am 3. 1. 1976 hatte große Teile des Schindeldaches herausgerissen; er wurde neu konstruiert und mit Kupfer gedeckt. Ein Teil des alten Daches steht im Turmraum vor der Empore.
Aber auch die Kirche wurde vielmals verändert. Schon 1639 wurde der Turm im Untergeschoss erweitert; 1783 (siehe die Anker am Turm) wurde er verstärkt und neue Deckenbalken eingezogen; 1873/74 ist das Kirchenschiff einer gründlichen Renovierung unterzogen und baulich verändert worden.
1906 wurde nochmals eine gründliche Wiederherstellung durchgeführt und 1957 sowie 1986 das Innere erneuert. Nun sind das Dach neu konstruiert und mit Kupfer gedeckt, die Balkendecke freigelegt und das Nordportal erneuert.

Zum Kirchenbau:
Um 1200 entstand das romanische Backsteingebäude mit Apsis, altem Chor, dem heutigem Altarraum als Kirchenschiff. Das ehemalige Eingangsportal ist heute noch an der Nordseite zu erkennen; auch die Fenster der Nordseite sind in der ursprünglichen Form erhalten.
Im Chor der alten Kirche (Zugang hinter dem Altar) wurde später ein gotisches Kreuzrippengewölbe eingebaut, dessen Schlußstein ein Christuskopf ziert. Die alte romanische Wandbemalung wurde dabei durchtrennt und ist heute hinter einem Schutzanstrich konserviert.Schlussstein
Im 13. Jahrhundert wurde ein zweites großes Schiff angebaut und das alte Schiff zum Chor. Die leicht spitzbogigen Portale sind von außen gut erkennbar: im Norden ist die Abstufung 1906 freigelegt; im Süden blieb es vermauert und trägt die Sonnenuhr.
Von außen zieren Rundbogenfriese die Apsis und den alten Chor; ein Zickzackfries läuft am alten Schiff und ein Bogenfries am heutigen Schiff als Zierde. Über den Friesen zieht sich ein deutsches Band hin. Diese Friese und Bänder sind das Zeichen hiesiger Backsteingotik.
Der Turm wurde zu spätgotischer Zelt aus Quadern und gelbem Backstein erbaut. 1639 (?) wurde er an der Süd- und Nordseite durch einen Mauervorbau so erweitert dass er in einer Flucht mit dem Schiff steht; damals erhielt er die Schleppdächer. Im unteren Turmgeschoss (über der eingezogenen Empore) sind noch die vier spitzen Schildbögen erkennbar, die ein nicht ausgeführtes gewaltiges Kreuzgewölbe tragen sollten; drei Eingänge hätten dann in dies pfeilergetragene Gewölbe geführt, doch statische Gründe führten dazu, dass diese Pfeiler durch MaTurm Hattstedtuerwerk wieder aufgefüllt werden mussten.
Die ursprünglich bleigedeckte Kirche erhielt im 19.Jh. eine Holz- und Naturschindeldeckung. 1986 wurde durchgehend die Kupfereindeckung ausgeführt. Das alte Eingangsportal im Westen ist 1964 zugemauert worden. Das Portal im Norden erhielt 1873 eine neugotische Form und Zementquadern, 1986 wurde es wieder in Klosterformatsteinen neu gestaltet. Auch die Balkendecke wurde 1986 durch Entfernen der Reetgipsdecke mit Stuck freigelegt. Die Balken im Chor sind die Eichenbalken der Erbauungszeit in den alten Originalfarben aus dem 17.Jh. Im Schiff sieht man die im 17. und 18. Jh. eingezogenen Balken, die nun erst gestrichen wurden. Die Südfenster wurden schon 1873 vergrößert, das Turmfenster ist 1986 wieder in seiner alten Größe geöffnet worden.